Naturheilkundlicher Newsletter der Habichtswald-Klinik Kassel
ISSN 1611-3624
Ausgabe März 2011
Am Aschermittwoch beginnt traditionell die Fastenzeit. Viele Menschen entwickeln in dieser
Zeit ihre eigene Form des „Fastens“. Manche verzichten bis Ostern auf Alkohol, manche auf
Süßigkeiten, manche auf das Fernsehen. Eine solche Phase der Enthaltsamkeit kann unter
ordnungstherapeutischen Aspekten im Kneipp’schen Sinne sehr segensreich sein. Ich
möchte Ihnen daher aus gegebenem Anlass über das Heilfasten berichten, welches aus
prophylaktischen oder therapeutischen Gründen freiwillig durchgeführt wird.

Was ist Heilfasten?
Heilfasten ist ein uraltes medizinisches Heilverfahren. Ursprünglich fasteten Menschen aber
nicht aus gesundheitlichen, sondern aus
religiösen oder philosophischen Gründen. ImHeilfasten ist das Denken klarer. Heilfasten ist eine gute Methode, um Kontemplation zu
erreichen. Im Heilfasten meditiert es sich auch leichter. Noch heute kennen wir das
christliche Heilfasten zwischen Karneval (= Abschied vom Fleisch) und Ostern sowie den
islamischen Heilfastenmonat Ramadan. In beiden Fällen handelt es sich – zumindest aus
Sicht des Heilfasten s – um pervertierte Formen des Fasten s. Während früher in dieser Zeit
tatsächlich „richtig“ gefastet wurde, führte man – zur angeblichen Erleichterung – einige
Änderungen ein: Aus dem christlichen Heilfasten wurde eine fleischfreie Kost (Fische,
Fischotter und Würste aus Rind- oder Schweinefleisch waren erlaubt, außerdem reichlich
Fastenbier), aus dem islamischen Heilfasten wurde eine Nahrungskarenz am Tage, während
bei Dunkelheit nach Belieben geschlemmt werden darf. Mit Heilfasten hat das wirklich nichts
mehr zu tun.
Immer mehr Menschen in Deutschland wenden sich dem Heilfasten wieder zu. Teilweise,
weil sie
Krankheiten vorbeugen, heilen oder lindern wollen – dies wäre dann Heilfastenim eigentlichen Sinne - teilweise aber auch, um eine innere Reinigung, eine physische und
psychische Klärung zu erzielen. Viele Faster fühlen sich während und nach dem Heilfasten
ausgesprochen wohl. Sie möchten diesen Zustand wiederholt erleben und Heilfasten ein- bis
zweimal im Jahr für ein bis zwei Wochen.
Wer darf Heilfasten, wer soll Heilfasten und wer nicht?
Prinzipiell kann jeder Gesunde Heilfasten. Bestimmte Krankheiten rufen geradezu nach dem
Heilfasten, weil sie durch kaum ein anderes Heilverfahren so intensiv, nachhaltig und
nebenwirkungsarm behandelt werden können. Es darf aber auch nicht verschwiegen
werden, dass es einige Krankheiten gibt, bei denen besser unter heilfasten ärztlicher Aufsicht
oder gar in einer Heilfasten klinik gefastet werden sollte.
Heilfasten ist für viele Erkrankungen die „via regia“, der Königsweg, der Behandlung
Doch kommen wir zunächst zu den Indikationen des Heilfastens:
Adipositas, www.1-uebergewicht.de/abnehmen/
Diabetes, www.1-diabetes.de/
Gicht
Hyperlipidämie, www.cholesterin-1.de/ www.ganzheits-medizin.de/triglyceride/
Chronische Hepatopathie, www.1infektionen.de/hepatitis/
Hypertonie, www.herz-kreislauf-erkrankungen.de/hypertonie/
Arterielle und venöse Durchblutungsstörung
Degenerative Gelenkerkrankungen, (z.B. Arthrose, Wirbelsäulensyndrom)
Entzündliche Gelenkerkrankungen, www.rheumatische-erkrankungen.de/rheuma/
Fibromyalgie
Akne, Neurodermitis, Psoriasis
Asthma
Pollinose (Heuschnupfen)
Chronische Verstopfung
Chronische Entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
Reizdarm, www.reiz-darm-syndrom.de
Bei all diesen Erkrankungen lassen sich teilweise drastische Verbesserungen bis hin zu
Heilungen erzielen. Manchmal ist das Heilfasten auch der erste große Schritt hin zu einer
deutlichen Linderung von Beschwerden. Eine eindrucksvolle Darstellung über eine Heilung
von
Diabetes können Sie nachlesen unter www.1-diabetes.de/heilung/. Erkrankungen wieRheuma
sprechen nicht immer auf das Heilfasten an, aber jeder Rheumatiker sollte einmalin seinem Leben ein Heilfasten ausprobieren, wenn keine Gegenanzeigen vorliegen. Die
Entzündung wird oft deutlich gelindert, die Beweglichkeit stark verbessert und/oder eine
Reduktion von Medikamenten ist möglich. Eine schwere
Arthrose mit weitgehenderZerstörung von Knorpelsubstanz kann zwar nicht wieder vollständig regeneriert werden, die
Patienten geben jedoch auch hier deutlich weniger Schmerzen an, weil alleine die
Gewichtsreduktion eine starke Entlastung der Gelenke darstellt. Darüber hinaus wird die
Durchblutung verbessert, so dass die Gelenke auch besser mit Nährstoffen versorgt werden.
Bei der
Fibromyalgie – einer Erkrankung des Bewegungsapparates, bei der vieleMuskelansätze stark schmerzen – kommt es vermutlich im Sinne einer vegetativen
Gesamtumschaltung zu einer deutlichen Verbesserung der Symptomatik. Das unwillkürliche
Nervensystem wird nach einigen Tagen in Richtung auf den Parasympathikus (der
„entspannende“ Teil des vegetativen Nervensystems) umgeschaltet, was auch zu einer
deutlichen Entspannung der Muskulatur führt und damit die Schmerzen schwinden lässt.
Dies sind nur einige Beispiele dafür, wie das Heilfasten tief und nachhaltig in gestörte
Körperfunktionen eingreifen kann – und das alles (fast) ohne Nebenwirkungen.
Ich will an dieser Stelle aber nicht verschweigen, dass es einige Gegenanzeigen gibt. Nicht
jeder darf Heilfasten. Bei jeder Therapie – und bei naturheilkundlichen Verfahren wie dem
Heilfasten steht das hippokratische „primum nil nocere“ (vorrangig nicht schaden) im
Vordergrund. Die wichtigsten Gegenanzeigen sind (Auswahl nicht vollständig):
Adipositas: Das verwundert zunächst. Viele fasten doch nahezu ausschließlich wegen
der raschen und einfachen Gewichtsabnahme. Tatsache ist aber, dass beim Heilfasten –
wie bei jeder anderen „Crash-Diät“ mit schneller Gewichtsreduktion – der Körper
Energiesparmaßnahmen ergreift. Schließlich will er uns ja vor dem Verhungern schützen.
Nach dem Heilfasten halten diese Spareffekte noch für Wochen bis Monate an. Bei
gleicher Ernährung wie vorher hat man also rasch das alte Gewicht wieder – und meist
sogar mehr (Jojo-Effekt). Das Heilfasten ist bei
Übergewicht nur dann sinnvoll, wennwährend des Heilfasten s die alte Lebensweise kritisch überdacht wird. Wann habe ich zu
viel gegessen? Bei
Stress, aus Lust? Waren es mehr Süßigkeiten, Herzhaftes oder spieltAlkohol
eine große Rolle? Oder ist es gar nicht die Kalorienzufuhr, sondern diemangelnde Bewegung? Bewegung ist übrigens die einzige wirklich effektive Möglichkeit,
um dem Energiespareffekt im Heilfasten entgegenzuwirken. Wenn das Heilfasten als
Einstieg in eine neue gesündere Lebensweise begriffen wird, dann kann es bei
Übergewicht sehr sinnvoll sein.
Tuberkulose: Alle körperlich stark schwächenden Krankheiten sind eine Gegenanzeige
für das Heilfasten. Der Körper wird durch das Heilfasten ja zumindest vorübergehend
etwas stärker geschwächt, was der ansonsten Gesunde gut wegstecken kann. Bei
schweren Krankheiten geht das aber nicht mehr.
Krebs: Es gibt einige euphorische Berichte über sensationelle Besserungen von Krebs
im Heilfasten. Diese Fälle sind aber nicht gut dokumentiert und auch die
Langzeitkontrollen fehlen. Es gibt andererseits aber auch Berichte, dass nach einem
Heilfasten ein Krebs geradezu „explodiert“ ist. Bevor hier nicht Klarheit über Nutzen oder
Schaden des Heilfastens besteht, lassen wir Krebspatienten in der Habichtswald-Klinik
aus Gründen der Sicherheit nicht fasten. Ausnahme: Die akute Krebsbehandlung
(Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung) liegt mehr als 6 Monate zurück und es gibt
keine Hinweise auf ein Tumorrezidiv. Dann kann zur Schadstoffausleitung und zur
allgemeinen Umstimmung ein Heilfasten angezeigt sein.
Schwere Erkrankungen und Zustand nach Operation: Siehe Tuberkulose. Bevor ein
den Körper durchaus belastendes Heilfasten begonnen wird, sollte der Körper die „alte
Kraft“ in etwa wieder gewonnen haben, die Rekonvaleszenz sollte erfolgreich bewältigt
sein. Nach schweren Operationen kann eine Wartezeit von 3-6 Monaten sinnvoll sein.
Antikoagulation: Bestimmte Medikamente wie Heparin und Marcumar hemmen die
Blutgerinnung. Die Wirkung dieser Medikamente kann im Heilfasten viel stärker
ausfallen, so dass Blutungsgefahr besteht. Wird der Gerinnungswert Quick (bzw. INR)
von einem erfahrenen Arzt täglich kontrolliert und die Marcumardosis angepasst, ist ein
Heilfasten möglich. Unter Heparin sollte nicht gefastet werden. Die Einnahme von
ASS(Acetylsalicylsäure) ist in der Regel unproblematisch. Auch hier kann es aber leichter zu
Blutungen kommen, so dass ein in der Therapie mit ASS und im Heilfasten erfahrener
Arzt diese Therapie steuern sollte.
Psychose und andere schwere psychische oder Geisteskrankheiten: Dies sind
strikte Gegenanzeigen für das Heilfasten, da hier die Reaktion des Organismus und der
Psyche prinzipiell nicht vorhersagbar sind.
Schwere Depression: Heilfasten hat in der Regel eine stimmungsaufhellende Wirkung.
Es kann sogar zu einer Heilfasteneuphorie kommen. Es kann aber auch einmal
Heilfastenkrisen geben, in denen es zu einer vorübergehenden Verschlechterung der
Stimmungslage kommt. Besteht schon eine schwere Depression, könnte sich das fatal
auswirken. Patienten mit leichten bis mittelschweren Depressionen können daher unter
einer guten heilfasten ärztlichen Betreuung (am besten in einer Heilfasten klinik) durchaus
ein Heilfasten durchführen. Bei schweren Depressionen
http://www.1-depressionen.de/
oder bei Gedanken an Selbstmord darf vor Eintritt einer deutlichenpsychischen Stabilisierung nicht und danach auch nur unter guter heilfasten ärztlicher
Betreuung gefastet werden.
Essstörung: Essstörungen jeder Art (z. B. Anorexie) stellen strenge Gegenanzeigen für
das Heilfasten dar. Im Heilfasten selbst ist das Erlernen eines richtigen Essverhaltens
nicht möglich. Essstörungen könnten sich im Heilfasten verstärken.
Leberzirrhose: Bei einer schweren Leberfunktionsstörung wie einer Leberzirrhose kann
diese im Heilfasten noch weiter beeinträchtigt werden. Sowohl die Entgiftungsfunktionen
– im Heilfasten können viele angesammelte Schadstoffe aus dem abgebauten Körperfett
anfallen – als auch die Synthesefunktionen der Leber können (nur bei stark
vorgeschädigter Leber) im Heilfasten überfordert werden.
Hyperthyreose (Überfunktion der Schilddrüse): Auch hier ist eine Verstärkung der
Beschwerden denkbar. Der katabole Stoffwechsel (Abbau von Körpersubstanz), der im
Heilfasten vorherrscht, wird durch eine Überfunktion der Schilddrüse noch einmal
deutlich verstärkt. Diese Fehlfunktion sollte erst saniert werden, bevor man an ein
Heilfasten denkt.
Kardiomyopathie und Myokarditis: Eine schwere Herzmuskelerkrankung oder eine
-entzündung stellen immer Gegenanzeigen für das Heilfasten dar, da es zu einer
Verschlechterung der Herzmuskelleistung oder zu vermehrten
Herzrhythmusstörungen(dies alles nur bei vorgeschädigtem Herz, nicht beim Gesunden) kommen kann.
Florides Ulkus (aktives Magen- oder Darmgeschwür): Da Verschlechterungen eines
Geschwürs im Heilfasten beschrieben sind, sollte dieses erst zur Abheilung gebracht
werden, bevor ein Heilfasten begonnen wird.
Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) Typ I: Da der Zuckerstoffwechsel im Heilfasten
stark verändert wird, kann es zu lebensgefährlichen Unterzuckerungen kommen. Wenn
überhaupt, sollten Typ I-Diabetiker nur in Heilfasten kliniken fasten, die mit Diabetes Typ I
gute Erfahrungen haben.
Kinder im Wachstum: Da das Wachstum und die Reifung des heranwachsenden
Organismus beeinflusst werden könnte, sollte ein Heilfasten erst nach Abschluss des
Körperwachstums begonnen werden.
Schwangere, Stillende: Die schwangere oder stillende Frau benötigt ihre Nährstoffe für
die Versorgung des heranwachsenden Kindes. Ein Heilfasten ist in dieser Situation nicht
besonders günstig. Dazu kommt noch, dass im Heilfasten viele „Altlasten“ aus dem
Körperfett mobilisiert werden. Mit diesen Schadstoffen würde dann das Kind belastet,
was ebenfalls zu vermeiden ist.
Einnahme bestimmter Medikamente:
Aufgrund des im Heilfasten veränderten
Stoffwechsels und der Kreislaufverhältnisse dürfen im Heilfasten manche Medikamente
nicht eingenommen oder müssen in der Dosis reduziert werden.
Für Insulin besteht eine strikte Gegenanzeige im Heilfasten. Das Spritzen von Insulin
beim Typ II-Diabetes wäre lebensgefährlich. Der Typ I-Diabetiker (s. o.) benötigt
hingegen eine gewisse basale Insulinmenge. Wenn überhaupt, sollten insulinabhängige
Diabetiker nur in speziell dafür eingerichteten Heilfasten kliniken fasten.
Orale Antidiabetika (z. B. Glibenclamid, Metformin) müssen im Heilfasten unbedingt
abgesetzt werden, da eine lebensgefährliche Unterzuckerung (Glibenclamid) oder eine
lebensgefährliche Azidose (Übersäuerung bei Metformin) die Folge sein könnte.
Antihypertensiva (blutdrucksenkende Medikamenten, z. B. Beta-Blocker,
Entwässerungstabletten) müssen im Heilfasten deutlich reduziert oder sogar abgesetzt
werden, da der Blutdruck im Heilfasten mitunter drastisch absinken kann. Dies sollte
unter heilfastenärztlicher Kontrolle erfolgen.
Auch andere Medikamente müssen unter Umständen nach ärztlicher Rücksprachereduziert oder abgesetzt werden, da der Organismus im Heilfasten viel empfindlicher auf
äußere, auch medikamentöse Reize reagiert.
Quelle: http://www.rauchfrei.de/
Abb. 3: Rauchen und Heilfasten passen nicht zusammen.
Mangelnde Einsicht: Im Heilfasten gibt es einige Regeln, die fakultativ sind, d. h. sie
sollten
beachtet werden. Dies sind z. B. das Anlegen eines feuchtwarmenLeberwickels einmal pro Tag oder das Ölkauen zur Unterstützung der Entgiftung des
Körpers. Andere Heilfastenregeln sind jedoch obligat, d. h. sie
müssen befolgtwerden. Dazu gehören z. B. der Verzicht auf jegliche Genussmittel wie Rauchen,
Alkohol oder Koffein. Auch die Darmreinigung mit Glaubersalz oder Einläufen ist
unabdingbar. Sollte jemand diese Regeln nicht beachten, ist es besser, das
Heilfasten nicht zu beginnen oder nicht fortzusetzen.