zurück zu  Facebook

Wilfried Louis 2011

 

Naturheilkundlicher Newsletter der Habichtswald-Klinik Kassel

ISSN 1611-3624

Ausgabe März 2011

 

Am Aschermittwoch beginnt traditionell die Fastenzeit. Viele Menschen entwickeln in dieser

Zeit ihre eigene Form des „Fastens“. Manche verzichten bis Ostern auf Alkohol, manche auf

Süßigkeiten, manche auf das Fernsehen. Eine solche Phase der Enthaltsamkeit kann unter

ordnungstherapeutischen Aspekten im Kneipp’schen Sinne sehr segensreich sein. Ich

möchte Ihnen daher aus gegebenem Anlass über das Heilfasten berichten, welches aus

prophylaktischen oder therapeutischen Gründen freiwillig durchgeführt wird.

Was ist Heilfasten?

Heilfasten ist ein uraltes medizinisches Heilverfahren. Ursprünglich fasteten Menschen aber

nicht aus gesundheitlichen, sondern aus religiösen oder philosophischen Gründen. Im

Heilfasten ist das Denken klarer. Heilfasten ist eine gute Methode, um Kontemplation zu

erreichen. Im Heilfasten meditiert es sich auch leichter. Noch heute kennen wir das

christliche Heilfasten zwischen Karneval (= Abschied vom Fleisch) und Ostern sowie den

islamischen Heilfastenmonat Ramadan. In beiden Fällen handelt es sich – zumindest aus

Sicht des Heilfasten s – um pervertierte Formen des Fasten s. Während früher in dieser Zeit

tatsächlich „richtig“ gefastet wurde, führte man – zur angeblichen Erleichterung – einige

Änderungen ein: Aus dem christlichen Heilfasten wurde eine fleischfreie Kost (Fische,

Fischotter und Würste aus Rind- oder Schweinefleisch waren erlaubt, außerdem reichlich

Fastenbier), aus dem islamischen Heilfasten wurde eine Nahrungskarenz am Tage, während

bei Dunkelheit nach Belieben geschlemmt werden darf. Mit Heilfasten hat das wirklich nichts

mehr zu tun.

Immer mehr Menschen in Deutschland wenden sich dem Heilfasten wieder zu. Teilweise,

weil sie Krankheiten vorbeugen, heilen oder lindern wollen – dies wäre dann Heilfasten

im eigentlichen Sinne - teilweise aber auch, um eine innere Reinigung, eine physische und

psychische Klärung zu erzielen. Viele Faster fühlen sich während und nach dem Heilfasten

ausgesprochen wohl. Sie möchten diesen Zustand wiederholt erleben und Heilfasten ein- bis

zweimal im Jahr für ein bis zwei Wochen.

Wer darf Heilfasten, wer soll Heilfasten und wer nicht?

Prinzipiell kann jeder Gesunde Heilfasten. Bestimmte Krankheiten rufen geradezu nach dem

Heilfasten, weil sie durch kaum ein anderes Heilverfahren so intensiv, nachhaltig und

nebenwirkungsarm behandelt werden können. Es darf aber auch nicht verschwiegen

werden, dass es einige Krankheiten gibt, bei denen besser unter heilfasten ärztlicher Aufsicht

oder gar in einer Heilfasten klinik gefastet werden sollte.

Heilfasten ist für viele Erkrankungen die „via regia“, der Königsweg, der Behandlung

Doch kommen wir zunächst zu den Indikationen des Heilfastens:

 Adipositas, www.1-uebergewicht.de/abnehmen/

 Diabetes, www.1-diabetes.de/

 Gicht

 Hyperlipidämie, www.cholesterin-1.de/ www.ganzheits-medizin.de/triglyceride/

 Chronische Hepatopathie, www.1infektionen.de/hepatitis/

 Hypertonie, www.herz-kreislauf-erkrankungen.de/hypertonie/

 Arterielle und venöse Durchblutungsstörung

 Degenerative Gelenkerkrankungen, (z.B. Arthrose, Wirbelsäulensyndrom)

 Entzündliche Gelenkerkrankungen, www.rheumatische-erkrankungen.de/rheuma/

 Fibromyalgie

 Akne, Neurodermitis, Psoriasis

 Asthma

 Pollinose (Heuschnupfen)

 Chronische Verstopfung

 Chronische Entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)

 Reizdarm, www.reiz-darm-syndrom.de

Bei all diesen Erkrankungen lassen sich teilweise drastische Verbesserungen bis hin zu

Heilungen erzielen. Manchmal ist das Heilfasten auch der erste große Schritt hin zu einer

deutlichen Linderung von Beschwerden. Eine eindrucksvolle Darstellung über eine Heilung

von Diabetes können Sie nachlesen unter www.1-diabetes.de/heilung/. Erkrankungen wie

Rheuma sprechen nicht immer auf das Heilfasten an, aber jeder Rheumatiker sollte einmal

in seinem Leben ein Heilfasten ausprobieren, wenn keine Gegenanzeigen vorliegen. Die

Entzündung wird oft deutlich gelindert, die Beweglichkeit stark verbessert und/oder eine

Reduktion von Medikamenten ist möglich. Eine schwere Arthrose mit weitgehender

Zerstörung von Knorpelsubstanz kann zwar nicht wieder vollständig regeneriert werden, die

Patienten geben jedoch auch hier deutlich weniger Schmerzen an, weil alleine die

Gewichtsreduktion eine starke Entlastung der Gelenke darstellt. Darüber hinaus wird die

Durchblutung verbessert, so dass die Gelenke auch besser mit Nährstoffen versorgt werden.

Bei der Fibromyalgie – einer Erkrankung des Bewegungsapparates, bei der viele

Muskelansätze stark schmerzen – kommt es vermutlich im Sinne einer vegetativen

Gesamtumschaltung zu einer deutlichen Verbesserung der Symptomatik. Das unwillkürliche

Nervensystem wird nach einigen Tagen in Richtung auf den Parasympathikus (der

„entspannende“ Teil des vegetativen Nervensystems) umgeschaltet, was auch zu einer

deutlichen Entspannung der Muskulatur führt und damit die Schmerzen schwinden lässt.

Dies sind nur einige Beispiele dafür, wie das Heilfasten tief und nachhaltig in gestörte

Körperfunktionen eingreifen kann – und das alles (fast) ohne Nebenwirkungen.

Ich will an dieser Stelle aber nicht verschweigen, dass es einige Gegenanzeigen gibt. Nicht

jeder darf Heilfasten. Bei jeder Therapie – und bei naturheilkundlichen Verfahren wie dem

Heilfasten steht das hippokratische „primum nil nocere“ (vorrangig nicht schaden) im

Vordergrund. Die wichtigsten Gegenanzeigen sind (Auswahl nicht vollständig):

 Adipositas: Das verwundert zunächst. Viele fasten doch nahezu ausschließlich wegen

der raschen und einfachen Gewichtsabnahme. Tatsache ist aber, dass beim Heilfasten –

wie bei jeder anderen „Crash-Diät“ mit schneller Gewichtsreduktion – der Körper

Energiesparmaßnahmen ergreift. Schließlich will er uns ja vor dem Verhungern schützen.

Nach dem Heilfasten halten diese Spareffekte noch für Wochen bis Monate an. Bei

gleicher Ernährung wie vorher hat man also rasch das alte Gewicht wieder – und meist

sogar mehr (Jojo-Effekt). Das Heilfasten ist bei Übergewicht nur dann sinnvoll, wenn

während des Heilfasten s die alte Lebensweise kritisch überdacht wird. Wann habe ich zu

viel gegessen? Bei Stress, aus Lust? Waren es mehr Süßigkeiten, Herzhaftes oder spielt

Alkohol eine große Rolle? Oder ist es gar nicht die Kalorienzufuhr, sondern die

mangelnde Bewegung? Bewegung ist übrigens die einzige wirklich effektive Möglichkeit,

um dem Energiespareffekt im Heilfasten entgegenzuwirken. Wenn das Heilfasten als

Einstieg in eine neue gesündere Lebensweise begriffen wird, dann kann es bei

Übergewicht sehr sinnvoll sein.

 Tuberkulose: Alle körperlich stark schwächenden Krankheiten sind eine Gegenanzeige

für das Heilfasten. Der Körper wird durch das Heilfasten ja zumindest vorübergehend

etwas stärker geschwächt, was der ansonsten Gesunde gut wegstecken kann. Bei

schweren Krankheiten geht das aber nicht mehr.

 Krebs: Es gibt einige euphorische Berichte über sensationelle Besserungen von Krebs

im Heilfasten. Diese Fälle sind aber nicht gut dokumentiert und auch die

Langzeitkontrollen fehlen. Es gibt andererseits aber auch Berichte, dass nach einem

Heilfasten ein Krebs geradezu „explodiert“ ist. Bevor hier nicht Klarheit über Nutzen oder

Schaden des Heilfastens besteht, lassen wir Krebspatienten in der Habichtswald-Klinik

aus Gründen der Sicherheit nicht fasten. Ausnahme: Die akute Krebsbehandlung

(Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung) liegt mehr als 6 Monate zurück und es gibt

keine Hinweise auf ein Tumorrezidiv. Dann kann zur Schadstoffausleitung und zur

allgemeinen Umstimmung ein Heilfasten angezeigt sein.

 Schwere Erkrankungen und Zustand nach Operation: Siehe Tuberkulose. Bevor ein

den Körper durchaus belastendes Heilfasten begonnen wird, sollte der Körper die „alte

Kraft“ in etwa wieder gewonnen haben, die Rekonvaleszenz sollte erfolgreich bewältigt

sein. Nach schweren Operationen kann eine Wartezeit von 3-6 Monaten sinnvoll sein.

 Antikoagulation: Bestimmte Medikamente wie Heparin und Marcumar hemmen die

Blutgerinnung. Die Wirkung dieser Medikamente kann im Heilfasten viel stärker

ausfallen, so dass Blutungsgefahr besteht. Wird der Gerinnungswert Quick (bzw. INR)

von einem erfahrenen Arzt täglich kontrolliert und die Marcumardosis angepasst, ist ein

Heilfasten möglich. Unter Heparin sollte nicht gefastet werden. Die Einnahme von ASS

(Acetylsalicylsäure) ist in der Regel unproblematisch. Auch hier kann es aber leichter zu

Blutungen kommen, so dass ein in der Therapie mit ASS und im Heilfasten erfahrener

Arzt diese Therapie steuern sollte.

 Psychose und andere schwere psychische oder Geisteskrankheiten: Dies sind

strikte Gegenanzeigen für das Heilfasten, da hier die Reaktion des Organismus und der

Psyche prinzipiell nicht vorhersagbar sind.

 Schwere Depression: Heilfasten hat in der Regel eine stimmungsaufhellende Wirkung.

Es kann sogar zu einer Heilfasteneuphorie kommen. Es kann aber auch einmal

Heilfastenkrisen geben, in denen es zu einer vorübergehenden Verschlechterung der

Stimmungslage kommt. Besteht schon eine schwere Depression, könnte sich das fatal

auswirken. Patienten mit leichten bis mittelschweren Depressionen können daher unter

einer guten heilfasten ärztlichen Betreuung (am besten in einer Heilfasten klinik) durchaus

ein Heilfasten durchführen. Bei schweren Depressionen http://www.1-

depressionen.de/oder bei Gedanken an Selbstmord darf vor Eintritt einer deutlichen

psychischen Stabilisierung nicht und danach auch nur unter guter heilfasten ärztlicher

Betreuung gefastet werden.

 Essstörung: Essstörungen jeder Art (z. B. Anorexie) stellen strenge Gegenanzeigen für

das Heilfasten dar. Im Heilfasten selbst ist das Erlernen eines richtigen Essverhaltens

nicht möglich. Essstörungen könnten sich im Heilfasten verstärken.

 Leberzirrhose: Bei einer schweren Leberfunktionsstörung wie einer Leberzirrhose kann

diese im Heilfasten noch weiter beeinträchtigt werden. Sowohl die Entgiftungsfunktionen

– im Heilfasten können viele angesammelte Schadstoffe aus dem abgebauten Körperfett

anfallen – als auch die Synthesefunktionen der Leber können (nur bei stark

vorgeschädigter Leber) im Heilfasten überfordert werden.

Hyperthyreose (Überfunktion der Schilddrüse): Auch hier ist eine Verstärkung der

Beschwerden denkbar. Der katabole Stoffwechsel (Abbau von Körpersubstanz), der im

Heilfasten vorherrscht, wird durch eine Überfunktion der Schilddrüse noch einmal

deutlich verstärkt. Diese Fehlfunktion sollte erst saniert werden, bevor man an ein

Heilfasten denkt.

 Kardiomyopathie und Myokarditis: Eine schwere Herzmuskelerkrankung oder eine

-entzündung stellen immer Gegenanzeigen für das Heilfasten dar, da es zu einer

Verschlechterung der Herzmuskelleistung oder zu vermehrten Herzrhythmusstörungen

(dies alles nur bei vorgeschädigtem Herz, nicht beim Gesunden) kommen kann.

 Florides Ulkus (aktives Magen- oder Darmgeschwür): Da Verschlechterungen eines

Geschwürs im Heilfasten beschrieben sind, sollte dieses erst zur Abheilung gebracht

werden, bevor ein Heilfasten begonnen wird.

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) Typ I: Da der Zuckerstoffwechsel im Heilfasten

stark verändert wird, kann es zu lebensgefährlichen Unterzuckerungen kommen. Wenn

überhaupt, sollten Typ I-Diabetiker nur in Heilfasten kliniken fasten, die mit Diabetes Typ I

gute Erfahrungen haben.

 Kinder im Wachstum: Da das Wachstum und die Reifung des heranwachsenden

Organismus beeinflusst werden könnte, sollte ein Heilfasten erst nach Abschluss des

Körperwachstums begonnen werden.

 Schwangere, Stillende: Die schwangere oder stillende Frau benötigt ihre Nährstoffe für

die Versorgung des heranwachsenden Kindes. Ein Heilfasten ist in dieser Situation nicht

besonders günstig. Dazu kommt noch, dass im Heilfasten viele „Altlasten“ aus dem

Körperfett mobilisiert werden. Mit diesen Schadstoffen würde dann das Kind belastet,

was ebenfalls zu vermeiden ist.

 Einnahme bestimmter Medikamente:

Aufgrund des im Heilfasten veränderten

Stoffwechsels und der Kreislaufverhältnisse dürfen im Heilfasten manche Medikamente

nicht eingenommen oder müssen in der Dosis reduziert werden.

Für Insulin besteht eine strikte Gegenanzeige im Heilfasten. Das Spritzen von Insulin

beim Typ II-Diabetes wäre lebensgefährlich. Der Typ I-Diabetiker (s. o.) benötigt

hingegen eine gewisse basale Insulinmenge. Wenn überhaupt, sollten insulinabhängige

Diabetiker nur in speziell dafür eingerichteten Heilfasten kliniken fasten.

Orale Antidiabetika (z. B. Glibenclamid, Metformin) müssen im Heilfasten unbedingt

abgesetzt werden, da eine lebensgefährliche Unterzuckerung (Glibenclamid) oder eine

lebensgefährliche Azidose (Übersäuerung bei Metformin) die Folge sein könnte.

Antihypertensiva (blutdrucksenkende Medikamenten, z. B. Beta-Blocker,

Entwässerungstabletten) müssen im Heilfasten deutlich reduziert oder sogar abgesetzt

werden, da der Blutdruck im Heilfasten mitunter drastisch absinken kann. Dies sollte

unter heilfastenärztlicher Kontrolle erfolgen.

Auch andere Medikamente müssen unter Umständen nach ärztlicher Rücksprache

reduziert oder abgesetzt werden, da der Organismus im Heilfasten viel empfindlicher auf

äußere, auch medikamentöse Reize reagiert.

Quelle: http://www.rauchfrei.de/

Abb. 3: Rauchen und Heilfasten passen nicht zusammen.

 Mangelnde Einsicht: Im Heilfasten gibt es einige Regeln, die fakultativ sind, d. h. sie

sollten beachtet werden. Dies sind z. B. das Anlegen eines feuchtwarmen

Leberwickels einmal pro Tag oder das Ölkauen zur Unterstützung der Entgiftung des

Körpers. Andere Heilfastenregeln sind jedoch obligat, d. h. sie müssen befolgt

werden. Dazu gehören z. B. der Verzicht auf jegliche Genussmittel wie Rauchen,

Alkohol oder Koffein. Auch die Darmreinigung mit Glaubersalz oder Einläufen ist

unabdingbar. Sollte jemand diese Regeln nicht beachten, ist es besser, das

Heilfasten nicht zu beginnen oder nicht fortzusetzen.